6. Mai

HP Superzelle von Sauerlach bis Altötting

Für den Nachmittag/Abend des 6. Mai 2026 deute alles auf eine erste interessante Lage in Südbayern hin. Schon Tage davor sahen die Modelle die Bildung eines Bodentiefs (Leetief) nordöstlich am Alpenbogen. Dies sorgt durch das modifizierte Bodenwindfeld für ein gutes Scherungsprofil entlang des nördlichen Alpenrandes, was nicht selten für die Bildung von Superzellen in dieser Region verantwortlich ist. Häufig nehmen diese Zellen ihren Ursprung im Bereich des Lechtals bei Nesselwang/Halblech und ziehen unter Verstärkung nach Osten/Nordosten. Dies hat diesen Zellen unter Sturmjägern den Namen Lechtalerin eingebracht. Je nach Ausprägung/Richtung des Windprofils, nehmen diese Zellen einen mehr oder weniger starken Ost-Kurs ein. Häufig zieht der Hauptaufwind dieser Zellen inneralpin und ist damit optisch nicht gerade ansprechend und aufgrund der Orografie auch unmöglich zu Verfolgen. An diesem Tag sprach das Windprofil aber für eine nordöstlichere Zugrichtung. So beschloss ich schon einen Tag vor der Gewitterlage mich strategisch zwischen München und Holzkirchen zu positionieren, da viele Modelle den Höhepunkt irgendwo südlich von München andeuteten.

Angekommen am Standort sprach zunächst nicht viel dafür, dass in wenigen Stunden eine Superzelle durchziehen sollte. Es war bedeckt und recht kühl mit Temperaturen von 17-18 Grad und Taupunkten zwischen 8-10 Grad. Der Bodenwind war allerdings deutlich spürbar von Ost/Nordosten. Während sich langsam ein Schauer an der Konvergenz bei Nesselwang begann zu verstärken (klassischer geht es nicht), konnte man gut beobachten, wie das Föhnfenster für Aufklaren im Lee des Alpenvorlandes sorgte. Durch diesen Prozess konnte sich vor dem Aufzug noch etwas mehr Energie aufbauen (alpines Pumpen).

Die Zelle begann sich nach einer kurzen Findungsphase schnell zu organisieren. Die Blitzrate nahm merklich zu und auch der Hageltracker deute ein erstes Ausscheren nach Osten/Nordosten an. Auch auf dem Satellitenfilm wurde nun der V-förmige Eisschirm immer markanter, während das Föhnfenster immer weiter für Aufklaren vorlaufend der Zelle sorgte.