28. August

Superzellen am Morgen

nach der eindrucksvollen Superzelle in Frankreich am Abend davor, verlagerte sich der Schwerpunkt und das ähnlich gut gescherte Umfeld in den Nachtstunden nach Baden Württemberg. Obwohl ich zunächst etwas skeptisch bei den Modellrechungen war, die morgens um 5-7 Uhr erste markante Entwicklungen vom Schwarzwald Richtung Alb und Franken ziehen ließen, sah man anhand der Luftmasse usw. das Potential für diese Szenarien. Ich kam um etwa 2 Uhr daheim an und konnte ab etwa 3 Uhr für ca. 2h die Augen zu machen ehe ein erster dumpfer Donner mich aufweckte. Beim Blick auf das Radar war dann alles klar. 3 Mesozyklonen zogen an ein ersten Hebungsimpuls gekoppelt wie berechnet nach Nordost.

Die mittlere Zelle hielt genau auf mich zu und entwickelte sich zu einer ausgewachsenen Superzelle. Wohlgemerkt um 5:20-6:20 Uhr morgens. Schnell die Kamera geschnappt und auf meinen Hausberg gefahren und da wurde entfernt schon die beeindruckende Struktur der Mesozyklone sichtbar, die eine abartige Blitzfrequenz hatte. Rund um die A81 bei Bietigheim/Steinheim an der Murr produzierte die Zelle auch großen Hagel über 4cm und sorgte für kaputte Scheiben an Gebäuden und Autos.

Als der Aufwind schon sehr nahe war, konnte man sogar tolle Kelvin Helmholtz Wellen am laminaren Aufwindteller über der Wallcloud erkennen. Wie das wohl bei Tageslicht ausgesehen hätte.

Diese Zelle schlug mit voller Wucht und Windkraft auch bei Oppenweiler/Sulzbach Murr auf und legte dort reihenweise Bäume um und deckte Dächer teilweise ab. Hagel war hier aber schon fast nicht mehr mit dabei. Bilder von dort habe ich 2 Tage danach vor Ort gemacht.

Keine zwei Stunden nach dem Durchzug kam die nächste Staffel angezogen. Zwar nicht mehr ganz so heftig und organisiert, aber auch hier war wieder der stark rotierende Aufwind erkennbar, als der vorlaufende Regen aufklarte. Standort war exakt gleich wie bei der Zell davor. Uhrzeit war ca. 8:10 Uhr.

Die eigentliche Hauptaktion sollte in den nächsten Stunden folgen. Vorlaufend der Kaltfront bildeten sich zwei markante Superzellen (in diesem Fall HP-Exemplare) heraus, welche mit hohem Tempo nach Nordwesten zogen. Eine auf Schweizer Seite aus dem Raum Schaffhausen und eine aus dem Südschwarzwald Zugrichtung Balingen/Reutlingen. Dementsprechend hektisch gestaltete sich die Anfahrt. Kurz durchgepeilt und einen meiner Hauptstandorte bei Albeck (Ulm) als gut befunden. Angekommen entwickelte sich die HP Superzelle zu einem richtigen Hagelunwetter und produzierte südlich von Reutlingen große Schäden durch Großhagel mit zum Teil Korngrößen von um die 6cm.

An meinem Standort außer dunstiger gelblich gefärbter Luftmasse und Bewölkung nichts erkennbar. Dann aber schälte sich nach und nach die Inflowbereiche und der Aufwind der Zelle heraus.

Nachdem die Zellen auf ihrem Weg nach Bayern kaputt gegangen sind bin ich in das Gebiet des größten Hagels laut Tracking gefahren. Bilder sind bei Lonsingen, Bad Urach und Richtung Münsingen entstanden. Selbst 3-4h nach Durchzug fand ich auf der Wiese noch einzelne gemessene Hagelsteine von bis zu 5,5 cm. Zum Zeitpunkt des Unwetters waren da also mit Sicherheit Körner über 6cm dabei. Dazu noch Sturm- bis Orkanböen. Mit am heftigsten hat es die Ortschaft und Umgebung bei Lonsingen getroffen. Die Bilder sprechen glaube ich für sich.